Geltinger Birk

Unberührte Natur ist in unserer zivilisierten Welt selten geworden. Doch je mehr Flächen bebaut und besiedelt werden, umso größer wird unsere Sehnsucht nach puren Naturerlebnissen. Eine Sehnsucht, die rund um den Ostseefjord Schlei gestillt werden kann. Seit Herbst 2008 ist die Schlei-Region sogar anerkannter Naturpark. Und darüber hinaus gibt es nördlich und südlich der rund 43 Kilometer langen Ostseeförde zahlreiche Naturschutzgebiete.
Das mit einer Gesamtfläche von 773 Hektar größte Naturschutzgebiet des Kreises Schleswig-Flensburg ist die Geltinger Birk an der nordöstlichen Landspitze Angelns – am Ausgang der Flensburger Förde. Die Eigenheit und Schönheit der Birk ergibt sich aus ihrer Vielfalt: verlandete Schilfsümpfe, Salzwiesen, Dünen und Seegraswiesen.
Naturliebhaber erreichen die Birk am besten über Gelting, das direkt an der Landstraße B199 zwischen Kappeln und Flensburg liegt. Der Weg zur Birk führt ab Gelting Richtung Pommerby. Kurz hinter dem Ortsende folgt man dem Wegweiser "Birk" und biegt links nach Pommerby ab, von dort noch einmal nach links. Dann kommt die 1794 erbaute und zur Entwässerung der Niederungen dienende Windmühle Charlotte in Sicht – das „Tor“ zur Geltinger Birk.
Wer sein Auto linkerhand auf dem Parkplatz abstellt, erreicht über den Wanderweg Richtung Norden in etwa 30 Minuten die NABU Infohütte, die Besuchern zur Information über das Naturschutzgebiet offensteht. Von hier aus finden in der Regel von April bis Oktober mittwochs und freitags um 10 Uhr sowie sonntags um 14.30 Uhr Führungen statt. Sollten Sie Interesse an einer Führung haben, so fragen Sie bitte unter der Telefonnummer 04643-186090 vorher kurz nach, ob die NABU Führung am ausgewählten Termin tatsächlich stattfindet.
Wer auf eigene Faust die Birk erkunden möchte, folgt einfach dem mit „ostsee* laufküste“ ausgeschilderten, 13 Kilometer langen Walking- und Wanderweg, der um das Naturschutzgebiet verläuft. Startpunkt ist der Parkplatz nahe der Mühle Charlotte. Zunächst geht man überwiegend auf dem Deich, von dem aus die Landschaft gut überschaubar ist. Im südlichen Teil des Gebiets führt dann ein attraktiver Weg zurück von Falshöft an der Ostsee zur Mühle Charlotte. Außerdem ist es möglich, von Nieby nach Beveroe quer durch die Birk zu wandern; Hunde dürfen übrigens nur angeleint mit ins Naturschutzgebiet.
Ob mit oder ohne professionelle Begleitung: Eine Wanderung um die Geltinger Birk ist in jedem Fall ein eindrucksvolles Naturerlebnis. Besonders Vogelliebhaber kommen hier auf ihre Kosten: Im Laufe eines Jahres können rund 200 Vogelarten beobachtet werden, darunter auch wieder der Seeadler. Zu den etwa 70 Brutvogelarten gehören Graugans, Knäkente, Mittelsäger, Tüpfelralle, Küsten-, Zwerg- und Brandseeschwalbe, Rotschenkel, Neuntöter, Sprosser und Braunkehlchen.
Doch nicht nur seltene Vögel lassen sich in der Birk beobachten: Auch Highland-Cattle-Rinder und Konik-Pferde sind hier inzwischen heimisch – und dienen dem Erhalt der einzigartigen Küstenlandschaft. Insbesondere die wilden Pferde haben sich dabei schnell zu wahren Publikumslieblingen entwickelt.
Seit 2002 werden Konik-Pferde aus den Niederlanden von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in der Birk und auf angrenzenden Flächen zur Landschaftspflege eingesetzt. Die Koniks sind eine sehr robuste Ponyrasse aus dem mittelosteuropäischen Raum, die mit dem osteuropäischen Wildpferd eng verwandt ist. Sie wurden Jahrhunderte lang als Wildtiere gejagt; durch konsequente Selektion und Rückzüchtung konnte die Rasse im 20. Jahrhundert in ihren Urzustand überführt werden. Seit 1965 werden Zuchttiere verkauft und Hengste an Landeszuchten abgegeben.
Zurzeit laufen 13 Tiere auf einer Fläche von rund 100 Hektar zwischen der Mühle Charlotte und der Neuen Plantage. Zur Weide gehören fast 12 Hektar Wald, die ganzjährig mit beweidet werden. Die Wasserversorgung wird durch 25 Teiche und Gräben in dem beweideten Gebiet gewährleistet. Wenn über mehrere Tage eine geschlossene Schneedecke liegt, wird Heu als Notfutter gegeben. Mehrfach im Jahr werden die Pferde eingefangen, um bei Tieren, die zu starkem Hufwachstum neigen, durch einen Hufschmied Hufpflege durchführen zu lassen; dabei werden die Fohlen auch entwurmt.
Eine Garantie für ein Treffen mit den Wildpferden bei einer Wanderung auf der Geltinger Birk gibt es allerdings nicht. Aber wer sich etwas Zeit nimmt, kann meist auch Koniks beobachten.
Rund um die Geltinger Birk führt übrigens auch eine der 2008 neu ausgeschilderten Fahrradwanderwege in der Schlei-Ostsee-Region: der GeltingerBirkTörn. Start und Zielpunkt der etwa 25 Kilometer langen Strecke ist Gelting. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Karte.
Und sollten Sie auf der Suche nach Ausflugstipps in die schönsten Naturlandschaften an Schlei und Ostsee sein, dann informieren Sie sich gern hier auf
www.ostseefjordschlei.de.