

Insgesamt gab es auf dem heutigen Gebiet Schleswig-Holsteins in Hochzeiten wohl über 40 Klosteranlagen. Die Klöster waren im Mittelalter die Kraftzentren der kulturellen Entwicklung; sie waren Knotenpunkte internationaler Netzwerke, von hier aus wurden Wissen und Erfahrungsschätze weitergegeben, universelle Umgangssprache war Latein. Rund 500 Jahre lang bestimmten Klöster die Kulturlandschaft zwischen Nord- und Ostsee, bevor sie schließlich in der Folge der Reformation aufgegeben wurden. Im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts war die Entwicklung der Klöster beendet. Viele verschwanden komplett, ihr Abbruchmaterial wurde oftmals zum Bau von Herrenhäusern und Schlössern verwendet, die Kunstschätze in alle Winde zerstreut – so fand übrigens der berühmte Bordesholmer Altar in dieser Zeit auch seinen Weg vom Bordesholmer Kloster in den Schleswiger Dom.
Zurück zur Geschichte des – in Teilen ebenfalls bis heute erhaltenen – Grauklosters in Schleswig. Das Kloster wurde 1234 unter Herzog Abel, dem späteren König von Dänemark, gegründet. Abel überließ den Franziskanern das Gelände eines ehemaligen dänischen Königshofes in der Nähe des Stadtzentrums mit dem St.-Petri-Dom. Die Klosteranlage wurde – nach den Mönchen in grauen Kutten – schon bald Graukloster genannt; bemerkenswert ist die Ausmalung des gotischen Saals mit einer Kreuzigungsgruppe aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Zusammen mit den Klöstern in Viborg und Ribe gehört das Graukloster zu den ersten Franziskanerklöstern im dänischen Hoheitsgebiet – und zeitweise zu den größten im Königreich Dänemark. Im Zuge der Reformation erfolgte 1528/29 durch Herzog Friedrich I. die Aufhebung des Klosters, zeitgleich wurde auch das Dominikanerkloster St. Maria Magdalena aufgelöst.
Die Kirche von St. Paul, eine einschiffige Saalkirche, ging nach der Aufhebung in den Besitz der Stadt über und wurde zum Rathaus umgebaut, das 1793 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. An seiner Stelle entstand 1794/95 das heutige klassizistische Rathaus – ein Backsteinbau in klassizistischer Manier. An der Frontseite zum Marktplatz hin tragen vier toskanische Säulen ein Vordach, über dem die beiden Obergeschosse durch seitliche Mauerblenden hervorgehoben werden. Im großen Saal des Rathauses tagte von 1836 bis 1846 die erste Ständeversammlung des Herzogtums Schleswig; ihre Fortsetzung fand die parlamentarische Demokratie hier in dem preußischen Provinziallandtag, der von 1879 bis 1904 im Ständesaal tagte. Heute dient der Saal der Ratsversammlung.
Die nach 1529 erhalten gebliebene Klausur – der den Ordensmitgliedern vorbehaltene Klosterbereich –, ging über in ein Armenstift. In dem dreiflügeligen Bau, der sich rund um einen zentralen Hof erstreckt, entstanden Kleinwohnungen mit jeweils zwei Kammern, die teilweise noch bis ins Jahr 1980 verarmten Bürgern Unterschlupf bot. Danach wurde die frühere Klausur umfassend restauriert, wobei auch Teile der ursprünglichen, nach der Reformation überbauten Bausubstanz wieder freigelegt wurden.
Kulturhistorisch erwähnenswert ist hier insbesondere der so genannte gotische Saal im nördlichen Anbau des Ostflügels mit seinen Wandmalereien und den für die Gotik typischen Spitzbögen an Tür- und Fensteröffnungen. Die älteste Wandmalerei stammt aus dem Jahr 1280 und zeigt eine Kreuzigungsszene. Unterhalb des gotischen Saals finden sich Überreste eines Hypokaustums – einer schon aus der römischen Antike bekannten Form der Warmluftheizung.
Seit 1983 wird das restaurierte Klostergebäude von der Stadtverwaltung genutzt; im Obergeschoss kann eine Armenwohnung besichtigt werden.
Mehr über die Geschichte Schleswigs und des Grauklosters erfahren Sie bei den regelmäßig angebotenen Stadtrundgängen und Erlebnistouren; Gruppen können ganzjährig auch Sonderführungen buchen. Hier alle aktuellen Angebote im Überblick.
Mehr Wissenswertes vom Ostseefjord Schlei:
- die Wikinger
- Nordic Walking
- Perlen des Barocks
- die Rapsblüte
- die Schleigärten
- die Schleischifffahrt
- Alte Bahntrassen
- Café-Kultur
- Kleine Apfelkunde
- Kleine Wetterkunde
- Domgeschichte(n)
- Historische Höfe
- Filmlandschaft Schlei