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title: "Kappelner Heringszaun"
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description: "Der Heringszaun ist sowohl in Deutschland, als auch in Europa der letzte seiner Art und somit eine einzigartige Sehenswürdigkeit in Kappeln an der Schlei."
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Der Heringszaun in Kappeln

 

 

Heringe fangen mit Stil
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Der Ursprung des Kappelner Heringszauns geht bereits auf das 15. Jahrhundert zurück. Damals gab es noch fast 40 dieser Flechtzäune, die dicht an dicht mitten in der Schlei zu finden waren. Zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert herrschte ein bitterer Konkurrenzkampf zwischen den Holmer Fischern aus Schleswig und anderen Fischern aus der Region, den sog. „Schleijunkern“, die Gutsherren in der Schleiregion waren. Erst 1614 konnte dieser Streit beigelegt werden und ein Gleichgewicht zwischen beiden Fischereiparteien hergestellt werden.

Heute besteht der Heringszaun aus insgesamt 2.000 in den Schleigrund gerammten Pfählen aus Eschenholz mit einer Länge zwischen 1,80 Meter und 4,50 Meter. Diese werden von waagerecht gesetzten Eschenholz-Pfählen oder eingeflochtenem Weidengeflecht unterstützt. Dieses Gesamtkonstrukt wird von den Heringen als natürliches Hindernis betrachtet. Aufgrund der starken Strömung in der Schlei kehren die Silberlinge trotz des Hindernisses selten um und folgen dem immer enger zulaufenden Heringszaun bis zur Spitze, wo sie in Netzen landen und abgefischt werden.

Der aktuelle Heringszaun hat von oben die Form des Buchstabens „W“. Der Zaun ist sowohl in Deutschland als auch in Europa der letzte seiner Art. Rund um den Heringszaun veranstaltet die Stadt Kappeln jährlich am Himmelfahrtswochenende die Heringstage.

- Heringe aus der Schlei
- Heringszaun Kappeln
- Heringszaun in Kappeln
- Heringszaun Nahaufnahme
- Heringstage Kappeln Heringszaun
- Fischerei am Heringszaun in Kappeln an der Schlei
- Reparaturteam am Heringszaun in Kappeln

 

- Was ist der Heringszaun in Kappeln?Heringszaun 1925 nachts beleuchtet
    
    Der Heringszaun wurde speziell für den Heringsfang gebaut. Es existierten zwei Zäune, die je nach Strömungsrichtung genutzt wurden. Mit seiner Hilfe konnten große Mengen Heringe mit geringem Arbeitsaufwand gefangen werden. Die Fischerei hatte früher eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Region und war für viele Familien eine wichtige Lebensgrundlage.
- Wie funktioniert der Heringszaun?Heringszaun 1900 Nordhafen
    
    Die spezielle Lebensweise der Heringe ermöglicht diese spezielle Fangtechnik. Heringe wandern in großen Schwärmen zwischen Laich- und Nahrungsgebieten hin und her. Zum Laichen ziehen sie aus der Ostsee in die Schlei, da sie dort geeignete Bedingungen wie ruhigeres Wasser und feineres Sediment am Gewässergrund vorfinden. Auf ihrem Weg durch die Strömung der Schlei treffen sie auf den Heringszaun. Die Fische schwimmen hinein und können aus der immer enger werdenenden Konstruktion mit kleinen Öffnungen, die nur weiter in Fischernetze führen, nicht mehr entkommen. So ermöglicht der Heringszaun einen effektiven Fang während der Heringswanderung.
    
    Der Heringszaun besteht aus 2.000 Eschenholzpfählen (bzw. heute mittlerweile Eukalyptusholz). Jeder Pfahl ist 1,8m-4,5m lang und wird in den Schleigrund gerammt. In dieses Pfahlwerk wird Strauchwerk eingeflochten, sodass ein zaunähnliches Konstrukt entsteht, durch welches die Heringe nicht hindurchkommen, sondern entlang des Zauns weiter nach innen schwimmen. Die Strömung ist so stark, dass sie nur selten gegenanschwimmen und hakenförmige, innenliegende Nebengeflechte des Zauns hindern die Fische zusätzlich am Entkommen.
- Wie sieht der Heringszaun aus?Fischerei am Heringszaun in Kappeln an der Schlei
    
    Von oben betrachtet wirkt der Heringszaun ganz grob wie der Buchstabe “W”. Er besteht aus zwei (oder mehr) bis zu 300m langen Trichtern, die spitz in Netzen zusammenlaufen, um dort die Fische zu sammeln. Die Trichter verlaufen nie gerade, sondern in Kurven und Wellenlinien. Auf den Innenseiten gibt es immer wieder Nebenarme (heute Chimen genannt), die wie Widerhaken fungieren und die Fische am herausschwimmen hindern. Die engen Auslässe, wo die Reuse befestigt wird, bezeichnete man im 17. Jahrhundert wahrscheinlich als “Chim” und die Nebenarme als “Haken”.
    
    Am Ende des Heringszauns befindet sich in der Fangsaison eine sackartige Reuse ("Steert"). Um diese zu leeren, musste sie ins Boot gezogen und aufgebunden werden.
    
    Es gibt Flutzäune, die so ausgerichtet sind, dass sie die von der Ostsee bei Ostwind und steigendem Wasser hereinkommenden Heringe gefangen haben und Fallzäune, die genau anders herum stehenund die abgelaichten Heringe, die bei Westwind und fallendem Wasserstand in die Ostseezurückkehren wollten, abfangen.
- Was gefährdet den Heringszaun?Heringstage Kappeln Heringszaun
    
    Die Schlei selbst - Wasser lässt Holz schnell verrotten, das ist kein Geheimnis.
    
    Globalisierung - Invasive (eingeschleppte) Arten wie die Bohrmuschel/der Bohrwurm Teredo navalis aus Asien schädigen die (früher heimischen) Baumstämme, aus welchen der Zaun gebaut war. Sie hat hier keine Fressfeide und verbreitet sich daher schnell. Sie kann in einem jahr bis zu 400 Pfähle durchbohren. Heute wird daher Eukalyptusholz verwendet, welches nicht so anfällig ist.
    
    Sand - Die mangelnden Durchströmung führt zur Versandung der Anlage, weshalb weniger Heringe durchschwimmen.
    
    Eis und Hochwasser - Wenn die Schlei einfriert und wir dann Hochwasser bekommen, drückt das Eis mit großer Kraft gegen den Zaun und zerstört diesen.
    
    Der Mensch - Dass der Zaun aufwändig erhalten werden muss und der Bereich der Schlei, in dem er steht, nicht anderweitig genutzt werden kann, war in der Vergangenheit für viele Personen ein Argument für den Abriss der früher bestehenden Zäune.
- Wie selten ist der Heringszaun?Heringszaun in Kappeln
    
    Fischzäune gab es an vielen Orten auf der Welt. Sie wurden nach und nach durch andere Arten der mobilen Fischerei ersetzt, waren früher jedoch Gang und Gäbe. Fischzäune, die ausschließlich zum Fang von Heringen gedient haben, scheint es nur in der Schlei gegeben zu haben. Auch wenn es früher bis zu 38 Heringszäune gegeben hat, waren sie damit immer noch nur lokal vertreten. Da der Ellenberger Zaun in Kappeln der einzig übrig gebliebene Heringszaun in der Schlei und auch in ganz Europa ist, ist er sehr selten.
- Wie wichtig waren Heringszäune?Heringstage Kappeln Heringszaun
    
    Der Wert einer Sache bemisst sich meist nach ihrem Nutzen. Trotz der großen wirtschaftlichen Bedeutung fehlt es an konkreten Angaben über die Fangerträge und die damit verbundenen Gewinne aus den Heringszäunen. Heringszäune ernährten und versorgten viele Menschen, daher waren sie zu den sehr fischreichen Zeiten der Schlei zum Ende des Mittelalters auch sehr wertvoll. 1451 tauschte der Schleswiger Bischof Nikolaus mit dem Gottorper Amtmann Otto Splyd zwei Heringszäune gegen zwei Ländereien und zusätzlich 200 Mark. Das verdeutlichet einen enormen damaligen Wert.
    
    1977 wurden in den Fangmonaten März bis Mai 90.000 Kilogramm Heringe gefangen. Da die Fischbestände mutmaßlich seit Jahrhunderten abgenommen haben, ist ein früher deutlich höherer Ertrag zu vermuten. Mit Abnahme der Fischmenge und anderen fangmöglichkeiten sank der Ertrag und damit auch der Wert der Heringszäune fast gegen Null. Heute wiederum ist der Heringszaun der letzte seiner Art in Europa und Kappeln ein touristisches Highlight, was ihn zu einem wertvollen Zeugnis einer längst vergessenen Zeit macht.
- Was passierte mit den Heringen nach dem Fang?Heringe aus der Schlei
    
    Da man früher ohne Kühlmöglichkeiten auskommen musste, mussten die großen Heingsmengen haltbar gemacht werden, wenn sie nicht frisch verkauft wurden. Da Heringe einen hohen Fettgehalt haben, lassen sie sich nur schwer trockenkonservieren.
    
    Flickheringe: Heringe aufschneiden, ausnehmen, salzen, im ausgeklappten Zustand auf Holzspieße stecken, im Freien trocknen und später im Rachfang dörren. Diese Heringe waren allerdings nur in gekochtem oder gebratenem Zustand zu genießen und nicht besonders angesehen.
    
    Pökelheringe: In einer Salzlake gepökelte Heringe wurden wahrscheinlich schon in der Wikingerzeit in Fässern über große Entferneungen transportiert.
    
    Räucherheringe: “Cappler Böcklinge” waren gekehlte und gesalzene Räucherheringe, die sich ab dem 17. Jahrhundert weit verbereitete.
- Wie kann ich in Kappeln den Hering(szaun) erleben?Fischgericht in Odins Gasthaus in Haddeby
    
    Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Hering und/oder den Heringszaun in Kappeln zu erleben:
    
    
    - Bei  Hering kaufen und selbst zubereiten. Tolle Rezepte für jeden Geschmack gibt es in der Buchhandlung oder im Internet.
    - Hering im  bestellen.
    - Den Heringszaun von der aus genießen oder mit einem  daran vorbeischippern.
    - An einer teilnehmen und vom Stadtführer ganz detaillierte Informationen über den Heringszaun erhalten.
    - Die Heringe in der Stadt bewundern.
    - Bei Souvenir-Heringe erwerben (gibt es auch in unseren ).

 

Der Heringszaun in Kappeln früher vs. heute

 

Fischfang früher

Lebenswichtiger Erwerb, der Heringszaun sicherte Nahrung und Einkommen für ganze Familien. In guten Fangzeiten konnten sehr große Mengen Hering gefangen werden, die sowohl zur eigenen Versorgung als auch zum Verkauf genutzt wurden.

Fischfang heute

Kein kommerzieller Fang mehr, sondern denkmalgeschütztes Kulturerbe und Anschauungsobjekt. In der Schlei wird heute deutlich weniger Fisch gefangen als früher. Gefangen werden vor allem Arten wie Hering, Aal, Zander, Hecht und Barsch, überwiegend durch Berufsfischer in kleinerem Umfang sowie durch Angler.

 

Handarbeit und Technik früher

Reine Handarbeit, Holzpfähle mit Muskelkraft gerammt, Reparaturen bei Wind und Wetter.

Handarbeit und Technik heute

Erhalt durch Fachleute mit modernen Werkzeugen, aber nach historischen Vorbildern.

 

Geräuschkulisse früher

Rufen der Fischer, Klatschen der Netze, Arbeit ab Sonnenaufgang

Geräuschkulisse heute

Möwen, Fotospot, Stadtführungen – Ruhe statt Hektik, Geschichte zum Anfassen

 

Der Heringszaun im Lauf der Zeit

Fischer mit Netz auf der Schlei gemalt Heringszaun

Fischerei war früher ein einträgliches Geschäft. Fischereivorrechte wurden vom König direkt und nur an bestimmte Personen oder Institutionen vergeben. Die Stadt Schleswig und ihre Fischer erhielten aufgrund ihrer Dienste für die Krone das „Privileg der freien Fischerei“ schon mit dem Stadtrecht 1280.

Früher war der Wasserspiegel der Schlei niedriger als heute. Daher fischten die Holmer Fischer aus Schleswig mit der Technik der „Wadenfischerei“ (Fischerei per Netz aus dem Boot), wofür sie gern die ganze Schlei nutzten und sich auf die o.g. Rechte beriefen. Daher setzte sich die Stadt Schleswig dafür ein, dass nicht so viele Heringszäune errichtet wurden, um die Fänge der Wadenfischer stabil zu halten.

Heringszäune waren sperrig und gehörten meist der Kirche oder den adligen Gutsbesitzern auf beiden Seiten der Schlei (sog. Schleijunker). Die Wadenfischer und die Betreiber der Heringszäune standen also in einem ständigen Konflikt um die Fischplätze. Die Fischer waren der Meinung, die Heringszäune fischten ihnen zu viele Heringe weg, während die Schleijunker ihren Fischfang durch die Wadenfischer gestört sahen.

Das Manövrieren zwischen den Zäunen hindurch erschwerte den Zugang mit Schiffen durch die Schlei maßgeblich.

Schleifischer wird Netz gestohlen KI-gemalt

Die Konflikte um den Heringsfang eskalierten immer wieder, da die Schleijunker immer mehr und größere Heringszäune anlegten, um den Holmer Fischern die Beute streitig zu machen. Den Fischern wurden die Netze gestohlen und sie wurden beim Fischen vertrieben. Der Streit artete in blutige Fehden aus.

Tausch Heringszaun gegen Ländereien KI-gemalt

Der holsteinische Ritter und Gottorper Amtmann Otto Splyd erwarb als erste Person Heringszäune (vorher konnte man diese nur erben oder vom König bekommen). Er kaufte dem Schleswiger Bischof Nikolas die Zäune bei Ellenberg (den heutigen Kappelner Heringszaun) und Gasselby ab.

Heringszaun überforderter König KI-gemalt

Es gab einen königlichen Schlichtungsversuch, dieser brachte aber nur eine kurze Entspannung der Situation.

König Christian beim opulenten festmahl KI-gemalt

Aufgrund der anhaltenden Konflikte sah König Christian III. sich das Problem vor Ort an. Er entzog dem Adel auf beiden Seiten der Schlei (Angeln, Schwansen) aufgrund dessen Fehlverhaltens das Recht an den Heringszäunen und befahl deren Abriss, um den Streit ein für alle Mal zu beenden. Bei einem opulenten Mittagsmahl ließ er sich jedoch vom Schleijunker Wulff Pogwisch, dem Gutsherrn von Buckhagen, überreden, den Abrissbefehl rückgängig zu machen. In den folgenden Jahrzehnten blieb die Nutzung jedoch umstritten.

Schleijunker erhalten Fischereiprivilegien zurück KI-gemalt

Der Adel erhält das Privileg an den Heringszäunen zurück und hat so weiterhin Zugang zu dieser wichtigen Ressource.

Streitigkeiten um den Heringszaun werden beigelegt KI-generiert

Das Anlegen neuer Zäune, die Vertreibung der Fischer und Beschlagnahmung ihrer Netze nahm kein Ende. Nach anhaltenden Konflikten wurde in Kappeln ein Kompromiss geschlossen. Er regelte die Nutzung der Heringszäune und die Fangrechte, wodurch eine gleiche Nutzung der Schlei als Fischereigebiet durch beide Seiten ermöglicht wurde.

Aufbau eines Heringszauns gemalt mit Karte

Der königliche Mathematiker Johannes Mejer vermaß die Heringszäune und zeichnete sie auf. Die „Maßnahme und Maßgabe“ schuf ein geltendes Gesetz zur erlaubten Größe der Heringszäune. Sie sollte dafür sorgen, dass man zukünftig weiß, wie groß die Zäune wirklich sind und ob diese die Fischerei und vor Allem das Fahrwasser behindern. Das zeigte die wachsende Bedeutung der Schifffahrt (und der Schiffgrößen) neben der Fischerei. Die erlaubten Maße waren: 40 Faden in der Länge (≈70 m; ein Faden entspricht ca. 1,75 m).

Gemalte Schleikarte mit Heringszäunen

Mit rund 38 Anlagen erreichte diese Fangmethode ihren Höhepunkt und prägte die Wirtschaft an der Schlei. Die Fangmethode scheint einfach und vielversprechend zu sein. Ab dem 18. Jahrhundert ging die Zahl der Heringszäune allmählich zurück. Ursache dafür waren neue Fangmethoden wie Großreusen, Bundgarne und die Netzfischerei sowie die Verlagerung der Fanggebiete in die Ostsee, die größere und seetüchtige Boote erforderte, welche wiederum schlecht durch die Heringszäune navigieren konnten.

Fischer bilden Innungen KI-generiert

Da der Ertrag langsam nachließ, waren nur noch 19 Heringszäune vorhanden. Für die Gutsherren waren die Heringszäune nicht mehr sehr rentabel, kosteten aber viel Unterhalt. Daher begannen sie, die Heringszäune zu verpachten. Dies war eine stete Einnahmequelle ohne Instandhaltungskosten. Auch der Fischfang mit Netzen ließ nach. Ursachen für den Rückgang sind nicht nur neue Fangmethoden sondern auch Überfischung und die hohen Instandhaltungskosten der Zäune. Die Holmer Fischer versuchten aus wirtschaftlichen Gründen, sich in Innungen zusammenzuschließen. Durch den Ausbau der Straßen und den zunehmenden Schiffsverkehr verlor der Hering als Nahrungsmittel an Bedeutung. Andere Fische und Nahrungsmittel konnten günstiger gefangen und schneller geliefert werden.

Heringszaun 1900 Nordhafen

Die Heringszäune wurden zunehmend als Hindernis für die Schifffahrt wahrgenommen. Der preußische Staat kaufte die letzten Zäune auf und riss sie Stück für Stück in den kommenden Jahrzehnten ab, um der Schifffahrt den Zugang zur Schlei zu vereinfachen. Nur der Ellenberger Zaun in Kappeln wurde durch Zufall nicht verkauft und blieb in Überresten bestehen. Verhandlungen über einen Abbruch blieben ohne Ergebnis. 1867 wurde neben dem Zaun außerdem eine Pontonbrücke (eine schwimmende Brücke) gebaut. Die Brücke war 180 Meter lang und stand auf insgesamt 18 Kähnen, die das Öffnen der Brücke am tiefsten Teil der Schlei ermöglichten. Die Eckernförder Kreisbahnen konnten über diese Brücke die Schlei queren. Der Zaun war der Brücke gelegentlich im Weg und beschädigte diese bei Strömungen und Starkwind.

Heringszaun Buckhagen wird abgerissen KI-generiert

Der Buckhagener Zaun wurde als vorletzter beseitigt.

Heringszaun 1925 Pontonbrücke vor dem Bau der Drehbrücke

Die Verhandlungen über den Abriss des Ellenberger Zauns wurden erneut aufgenommen, da der Heringszaun die Brücke behinderte. Die Schleswiger und Arnisser Fischer lehnten den Bau der Kappelner Drehbrücke, die die anfällige Pontonbrücke ersetzen sollte, ab, weil sie befürchteten, dass der Hering durch die Verengung der Schlei sowie die Geräusche auf der Brücke gestört würde. Da die Kosten für den Abbruch allerdings zu hoch waren, blieb der Zaun stehen. Er war daher dem natürlichen Verfall ausgesetzt und verwahrloste zunehmend.

Heringszaun 1955 zerstört

Anhaltender Frost ließ die Schlei zufrieren. Eine Sturmflut kam hinzu und drückte die eisigen Wassermassen in die Schlei. Der eingefrorene Kappelner Heringszaun wurde durch die immensen einwirkenden Kräfte des Eises zerstört und muss aufgebaut werden.

Heringszaun 1955 Luftaufnahme

Fritz Rehbehn aus Kappeln unternahm Versuche, den Heringszaun als traditionelle Fangmethode zu erhalten, indem er die Anlage mit neueren Materialen aus Eschenpfählen und biegsamem Buschholz wiedererrichtete.

Heringszaun 1976 Sommer teilweise zerstört

Der Heringszaun war bis 1977 an die Kappelner Familie Grieve verpachtet. Diese übte den Fischfang nebenbei aus und erhielt Unterstützung von der herzoglichen Verwaltung, um den Zaun nutzen und instandhalten zu können. Nun endete das Pachtverhältnis und Herzog Peter zu Schleswig-Holstein verzichtete auf seine Eigentumsrechte zugunsten der Stadt Kappeln. Diese kaufte den Heringszaun; er ging in öffentliche Hand über und wurde fortan vom Kappelner Bauhof als kulturelles Denkmal bewirtschaftet. Aufgrund von Schäden der neu in die Schlei eingewanderten und invasiven Bohrmuschel, die das Holz der Anlage mit der Zeit zersetzte, begann die Restaurierung des Heringszauns. Eine rein kosmetische Restaurierung war aufgrund des schlechten Zustandes nicht mehr möglich, daher musste er erneuert werden. Am 12.08.1978 wurde mit einer Feier die Renovierung des Zauns gefeiert. So entstand die Idee, jedes Jahr zum Himmelfahrtswochenende die sogenannten Kappelner Heringstage zu feiern. Der Erlös der dort stattfindenden Heringswette kommt dem Erhalt des Zauns zugute.

Heringszaun 2021 Instandsetzung mit Kran

Der erneuerte Heringszaun wird weiterhin restauriert und nach historischem Vorbild aus Eukalyptusholzpfählen und Weidengeflecht erhalten. Eukalyptusholz wird nun verwendet, da die Bohrmuschel dieses Material nicht zersetzt. Die Fischerei in der Schlei unterliegt heute gesetzlichen Regelungen, Schonzeiten und Naturschutzbestimmungen zum Schutz der Bestände.

Der Kappelner Verschönerungsverein kümmert sich um die Pflege und den Erhalt des Zaunes. Er bedarf jährlich ausgedehnter Ausbesserungsarbeiten. Das Flechtwerk muss heruntergetreten, die Pfähle nach dem Eisgang im Winter neu ausgerichtet, morsche Pfähle ausgetauscht sowie neues Strauchwerk eingeflochten werden. Der Heringsfang am Zaun wird heute weiterhin als Kulturpflege betrieben. Mittlerweile ist der Kappelner Heringszaun nicht nur der letzte in der Schlei, sondern auch der letzte Heringszaun in Europa.

Im Rahmen der Stadtführung „Kappeln Maritim“ wird er gemeinsam mit der St. Nikolai Kirsche und der Kappelner Klappbrücke thematisiert.

 

Unsere Tipps für Kappeln