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Modellprojekt Schlei

Eine Modellregion entsteht

© www.openstreetmap.org und Beitragende

In der "Modellregion Schlei" soll der Umweltzustand der Schlei verbessert werden! Seit April 2020 arbeitet der Naturpark im Rahmen des  "Modellprojekt Schlei" an vielseitigen Werkzeugen und Lösungsansätzen für das Nährstoffproblem in der Schleiregion.  

Die Modellregion umfasst das gesamte Gewässereinzugsgebiet der Schlei - also das Gebiet, aus dem Flüsse und Bäche in die Schlei fließen. Damit geht unser Bearbeitungsgebiet über die derzeitigen Naturparkgrenzen hinaus.

Ehrgeizige Ziele bestehen schon lange, den schlechten Umweltzustand der Schlei sowie ihres einzigartigen Umfelds nachhaltig zu verbessern. Schritt für Schritt werden die bestehenden Herausforderungen mit neuen Impulsen angepackt, um die Schätze der Region besser bewahren zu können. Gemeinsam mit vielen anderen Akteuren und den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde sowie dem Land Schleswig-Holstein entwickelt sich so die „Modellregion Schlei“ mit neuen Ideen zur Verbesserung der Gewässerqualität im Meeresarm.

Auf diesem Weg entwickelt sich unsere Region Stück für Stück noch stärker zu einem Positivbeispiel für eine funktionierende Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Tourismus, Gewässer- und Naturschutz.

 

Was passiert im Modellprojekt Schlei?

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Erste Impulse für eine nachhaltige Verbesserung der Situation der Gewässer und anderen empfindlichen Ökosystemen in der Schleiregion setzte die erste Projektphase von 2020-2022. Aufbauend auf vorhandenen Strukturen und Erfahrungen wurden pilothafte Maßnahmen innerhalb des Gewässereinzugsgebiet der Schlei umgesetzt. Hierbei standen in der ersten Pilotphase v.a. landseitigen Lösungsansätzen im Vordergrund. Auf verschiedensten Ebenen wurden Netzwerke ausgebaut, Ideen entwickelt, Konzepte erarbeitet sowie Maßnahmen umgesetzt.

Auch in den folgenden Projektphasen steht das Spannungsfeld "Gewässer und Nährstoffe" im Fokus. Die in der ersten Phase erarbeitete, ganzheitliche Lösungsstrategie wird weiterverfolgt und vertieft. So entstehen weitere Impulse in den Handlungsfeldern: kooperativer Gewässer- und Naturschutz, Ökosystemforschung, RenaturierungUmweltbildung und regionale Wertschöpfung.

Das Thema “Umweltzustand der Schlei” bleibt damit fester Bestandteil der Aktivitäten des Naturparks.

Projekthintergrund

Das Gewässereinzugesgebiet der Schlei

Der Wasserhaushalt der Schlei wird durch den Wasseraustausch mit der Ostsee, über einen schmalen Mündungsbereich an der Lotseninsel, und einem steten Süßwasserzufluss durch die vielzähligen, im Hinterland liegenden Fließgewässer beeinflusst. Hierzu gehören beispielsweise wichtige Hauptzubringer wie die Füsinger Au, Koseler Au, Hüttener Au oder Grimsau. Das gesamte Gewässereinzugsgebiet der Schlei, also das Gebiet, in dem alle Fließgewässer in die Schlei münden, befindet sich im Naturraum "Östlichen Hügelland". Es besitzt einen Umfang von rund 670 km² und wird der sogenannten „Flussgebietseinheit Schlei/Trave“ zugeordnet. Die Schlei selbst, mit ihren kennzeichnenden Breiten, Engen, Flachbereichen und Lagunen (Noore), zählt zu den „Inneren Küstengewässern“ der Ostsee. Die, in Abhängigkeit des Salzgehaltes, unterschiedlich auftretenden Brackwasserzonen sind inbesondere für die 42 km lange Schlei eine typische Merkmalsausprägung.

Der Gewässerzustand der Schlei

Aufgrund der im östlichen Hügelland vorherrschenden günstigen Boden- und Klimabedingungen ist die Schleiregion mit einem Flächenanteil von circa 80 % überdurchschnittlich stark landwirtschaftlich, insbesondere ackerbaulich, geprägt. Durch eine überwiegend intensive Landnutzung werden über die Eintragspfade Erosion, Drän- und Grundwasser sowie Abschwemmung über das Jahr größere Mengen an überschüssigen Nährstoffen (Stickstoff, Phosphor) in die Fließgewässer und dadurch auch in die Schlei eingetragen. Dort verändern sie die Umweltbedingungen deutlich. Die Schlei ist sozusagen "überladen" an Nährstoffen, sodass die Lebensbedingungen für aquatische Tiere und Pflanzen beeinträchtigt werden. Bereits in der Vergangenheit wurden durch die Landwirtschaft, aber auch gewässernahe Fabriken und Kläranlagen große Nährstofffrachten in die Schlei geleitet. Diese förderten die Bildung eines mächtigen Faulschlammkörpers am Grund der Schlei, welcher bis heute dafür sorgt, dass sich Nährstoff daraus rücklösen und zusätzlich die Gewässerqualität der Schlei negativ beeinträchtigen.

Europäische Verpflichtungen

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An die besonderen Umweltbedingungen der Schlei haben sich über die Jahrtausende ganz besondere Lebensgemeinschaften angepasst. Aufgrund dieser überregionalen Bedeutung wurde die Schlei und ihre Uferbereiche als europäisches Schutzgebiet im Netz Natura 2000 ausgewiesen (FFH- und Vogelschutzgebiet). Seit 2002 hat auch die Europäische Union den Zustand der Gewässer in Europa im Blick. Mit der Unterzeichnung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hat sich Deutschland verpflichtet alle Fließgewässer, Seen und Küstengewässern in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen. Hierfür werden sogenannte „Qualitätskomponenten“ bewertet. Allerdings wird der Umweltzustand der Schlei und ihrer Zuflüsse im Gewässereinzugsgebiet nach WRRL nach wie vor als „schlecht“ bewertet. Da die Schlei gleichfalls unter die Kategorie Ostsee-Küstengewässer fällt, wird ihr ökologischer Zustand auch durch die EU-Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL) bewertet. Deutschland hat sich verpflichtet, einen guten ökologischen Zustand für die deutschen Küstengewässer bis 2020 herbeizuführen. Für die Schlei konnte dies anhand der MSRL-Kriterien ebenfalls nicht erreicht werden.

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